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Mieminger Tuifllauf 2013 – Aufgebaut „Jetzt können die Tuifl kommen“

Tuifllauf 2013, Aufgebaut, Jetzt können die Tuifl kommen, Foto: Knut Kuckel
Tuifllauf 2013, Aufgebaut, Jetzt können die Tuifl kommen, Foto: Knut Kuckel

“Über die Tuifl würde ich doch glatt noch einen Film drehen”, sagte mein Nachmittags-Gast, Eberhard Hauff. Und das heißt was. Ein paar hundert Filme gehen auf sein Konto. Star-Scout – lebende Kinofilm-Legende und Vater der Münchner Filmfestspiele. Da war es heute exakt 16 Uhr. Am Freitag vor dem großen Höllenspektakel in Mieming. Eberhard kommt mich öfters besuchen.

Dann steht er auf meinem Balkon, atmet tief durch und sagt “unglaublich”. Diese Aussicht. Jedes Mal.

Die Tradition der Tuifl und Perchten in Tirol findet er spannend und notwendig. Ein paar Minuten wollte ich dem großen Erzähler noch zuhören.

Heute erzählte mir Eberhard nämlich seine persönliche Geschichte von Dieter Hildebrandt. Den habe ich verehrt. Der Kabarettist und Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft war nachbarschaftlicher Freund von Eberhard in Schwabing.

“Du musst los”, mahnte Eberhard und schaute auf seine Uhr. Wir hatten “Punkt Vier” ausgemacht. Gut. Um mir einen warmen Pullover anzuziehen und die Kameras einzupacken, brauchte ich wenig Zeit. Im Zählen bin ich schlecht. Aber ich bin mir sicher, mindestens drei Pullover übereinander angezogen zu haben.

Eberhard wäre nie zu spät am “Set” gewesen. Der Filmset beschreibt einen Drehort, ein Motiv. Mein “Set” war heute der Sportplatz in Obermieming. Der ansonsten unbeachtete und wenig spektakuläre Platz, erwächst einmal im Jahr zu kaum vorstellbarer Größe. Das ist immer um diese Zeit, im November. Wenn die Alten spüren, dass die Kälte an ihren Gebeinen empor zieht. Absolut kein schönes Gefühl.

Wenn ganz Mieming und die Menschen der Region, zwischen Mieminger Bergen und Inntal, im Fünf-Minuten-Takt in die lokalen Zeitungen schauen. Denn wenn der Mieminger Tuifllauf bevorsteht, möchte niemand den Termin verpassen. Ich hatte heute zum Beispiel glatt gedacht, es wäre schon morgen (das kommende Alter ist nur mit großer Würde zu ertragen).

Weil ich immer vergesslicher werde, liegt in meiner Küche die Rundschau, da stehts auf Seite 27. “12. Mieminger Tuifllauf, Samstag, 23. November“. Die Mieminger Dorfzeitung hat es auf Seite 9 angekündigt, die liegt in meinem Schreibzimmer und zur Sicherheit habe ich mir noch ein Plakat ins Wohnzimmer gelegt. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis. Das funktioniert eigentlich noch ganz gut.

Auf dem Beifahrersitz in meinem Auto, liegt neben meiner Nachtbrille ein Handzettel mit dem Plakatmotiv. Damit ich ihn um Tuifl’s Willen nur nicht verpasse, den 12. Mieminger Tuifllauf. Am Samstag Abend, auf dem Sportplatz in Obermieming. Andere sind zuweilen auf “Koks”. Ich bin ganz “auf Tuifl”, an diesem Wochenende. Ich verrate Dir etwas (nicht weitersagen): Heute Nacht träumte ich, der Presse-Tuifl zu sein. Stell Dir das vor.

In diese Gedanken versunken komme ich auf dem Platz an. “Sagi” sagt “Hallooo” und lacht. “Bin im Stress. Du weißt…”. “Ja”, rufe ich, “wir sehn uns!” – Als ich über den kleinen, ausgetretenen Weg zum Sportplatz stolpere, rauscht der Raich Thomas mit Familie an mir vorbei.

“Heh, wir sehn uns!” – “Ja-ah”, flöte ich zurück (Leute aus See-Tabland-Zein sieht man eh nur bei besonderen Anlässen in Obermieming. Die Betonung liegt in diesem Fall (man sehe es mir ausnahmsweise nach) auf “Ober”.

Dann laufen ein paar Freaks vom JUZ vorbei. “Halloo, Knu-ut, willst Du knipsen?” – “Ja, deshalb bin ich hier”. Ich arbeite mich ins Zentrum des Geschehens vor. Da hebt der “Strippenzieher” seinen Zeigefinger in die abendkalte Luft (es war um die Null Grad) und grüßt geschäftig. “Strippe”, wie ihn sein Freunde nennen dürfen, ist vom Aufbau befreit, weil er sein Drehbuch studieren muss . Dabei darf ich ihn fotografieren. Darf nicht jeder.

Strippe heißt (nur zum Weitersagen) mit bürgerlichem Namen Markus Spielmann. Persönliche Anmerkung: Der netteste Sponsor im Oberinntal. Ein Grande Sympatico. Das macht mich insgesamt deshalb ganz stolz und ich denke, “Du meine Güte, heute habe ich ein Glück! – Die ganz Prominenz auf einem großen Haufen”.

Dann sehe ich all’ die anderen. Und die sehen mich. “Halloooh”, ruft der “Steirer”, der Schöpf Erich, der Daniel, der Alex, Markus, Gabriel, Markus und Emanuel. Jetzt kommen immer mehr zum Vorschein.

Auf dem Gerüst, das schon in den Himmel ragt, beim Aufbau der “Fressmeile” oder Ausräumen der Bier-Trucks von “Stiegl” aus Salzburg und “König Ludwig” aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck. Ich denke, jetzt fehlt nur noch die blaue Europa-Fahne.

Alles sieht so nach großer Welt aus. Hollywood, London, Paris – Mieming!

Die Roadies der “Filmproduction” (mit kleinem “c”) sind da. Ich fotografiere ihr Auto, aber auf dem Bild steht dann nur “ilmproductio”. Das “F” hat sich beim Entwickeln aus dem Staub gemacht. Ebenso das Schluss-”n”.

Auf der Stehleiter dreht sich Emanuel um. Der fünfjährige Jungbauer vom Steirerhof (von dem heute schon viele Vierjährigen in Mieming träumen). Gut, dass er von diesen Dingen noch gar nichts weiß.

Die Feuerwehr liegt unter den Bühnenaufbauten und schraubt an dicken Schrauben und wer sich bei Ilona die Haare stylen lässt, schaut auf die Kehrseiten zweier Dixi-Klos. Alles riecht nach großem Auftritt. Nach Event. Nach Massen, Licht, Feuer und Rauch.

Gegen Fünf haben mich alle gesehen und ich habe sie alle geknipst. Niemand sprach übrigens – und das war auffallend – von den Tuifln. Ich hatte das T-Wort auf der Zunge, aber bevor ich es aussprechen konnte, zischten alle “Pssssschhhht!” – “Das bringt Unglück. Und am Ende kommen sie nicht. Oder noch schlimmer – sie zeigen sich im Nachbardorf”. Klar. Das versteht ja jeder Troll. Ganz langsam und vorsichtig verlasse ich den Platz. Jetzt habe ich doch etwas Angst, die Tuifl zu verärgern, die ich in ihren heißen Feuerlöchern, direkt unter meinen Füßen vermute. Gar nicht auszudenken, wenn mich einer von den furchterregenden Gesellen an den Füßen hinab in die Tiefe ziehen würde.

Dann könnte ich morgen gar nicht dabei sein. Keine Fotos knipsen. Nichts schreiben. Falls sie, wie angekündigt, ab 18 Uhr auf dem Sportplatz ihre Jahreshauptversammlung abhalten.

Mir wird ein wenig übel, bei dem Gedanken. Ich spüre, wie meine Füße an Lauf gewinnen. Immer schneller zieht es mich jetzt nach Hause. Noch rund 24 Stunden, dann geht’s los.

Jetzt bin ich mir ganz sicher, dass sie kommen. Die grausligen Gestalten. Fellbewachsen. Mit fürchterlichen Larven. Und Ketten, Glocken – jeder Menge Metall. Feuerspeiend und in gebückter Haltung. Im eigens für sie reservierten Oval umherwuselnd. Feuer, Schwefel, Rauch – Blitz und Donner. Der schiere Wahnsinn!

Du kommst doch auch? – Jetzt lass’ mich nicht hängen.

Bitte.

(Inzwischen) Heute, Samstag, 23. November, ab 16 Uhr. Dann steigt die Spannung, vor dem 12. Mieminger Tuifllauf. Engel und Tuifl. Zuerst kommen die Engel (gegen 17 Uhr, habe ich mir sagen lassen), die bringen den Kindern etwas mit, damit die sich nicht fürchten. Um Punkt 18 Uhr (6) wird der große Platz in tiefrotes Licht getaucht. Dann sieht man überall Feuer aufsteigen. Mit einem Höllenlärm öffnet sich das Höllentor. Und dann sehen wir sie und sie sehen uns. Die Mieminger Tuifl. Grauslig. Hoffentlich kann ich heute Nacht schlafen.

Wir sehn uns. Versprochen. Ganz ehrlich. Wirklich. Also – bis dahin! Pfiad enk!

Fotos: Knut Kuckel

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