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10. Mieminger Tuifllauf 2011 – „Mal ehrlich, das war Hollywood“

10. Mieminger Tuifllauf 2011 - "Mal ehrlich, das war Hollywood", Foto: Knut Kuckel
10. Mieminger Tuifllauf 2011 - "Mal ehrlich, das war Hollywood", Foto: Knut Kuckel

„Der Jubiläumstuifllauf wird etwas ganz besonderes“. Wir erinnern uns: Das hatte Tuiflverein-Obmann Markus Spielmann versprochen. Der Jubiläumsslauf ist Geschichte und wir wissen, “Speedy” Spielmann hat nicht zuviel versprochen. Der 10. Mieminger Tuifllauf bricht alle Rekorde: Zwei bis dreimal soviel Publikum wie im vergangenen Jahr, der neue Show-Ablauf perfekt und in der Kiachl-Küche kamen des Tuifls Köchinnen mit der Ausgabe von Tuifl-Burgern gar nicht mehr so recht nach. Der Ansturm wurde von Minute zu Minute größer. Schließlich wird jeder satt und keiner bleibt durstig. Irgend jemand bläst mir von hinten ins Ohr: „Das war Hollywood!“.

5- Sterne-Platz in den Vereins-Annalen

Vielleicht einen Tick zu groß, aber weit davon entfernt war der Sportplatz in Mieming-Obermieming am Samstag, dem 26. November 2011 nun wirklich nicht. Über 50 Tuifl boten ein Programm, das dem Publikum gelegentlich Jubelstürme entriss. Der jüngste Tuifl war drei Jahre alt. Auch das gab es noch nicht. Der 10. Mieminger Tuifllauf wird in den Annalen des Tuiflvereins einen 5-Sterne-Platz einnehmen.

Des Tuifls Maskenschnitzer war in Mieming

Schwaden von glühweihn-geschwängerter Luft strömten über den Platz. Aus des Tuifls Küche kamen verführerische Düfte und wer noch nichts gegessen hatte, dem lief das Wasser im Munde zusammen. Ein kollektives Magenknurren war wahrnehmbar. Am Rande der vielen Ess- und Trinkstanderl stand da einer und schnitzte an einer Holzlarve herum. Der Silzer Bildhauer und Maskenschnitzer Michael Bachnetzer brachte seine Werkstatt mit nach Mieming und zeigte an einem kleinen Zirbenholzblock vor Ort, wie geschnitzt wird. “Ich schnitze nur noch für die Mieminger Tuifl”, sagte Bachnetzer, der mit seiner Kunst eine neue Richtung einschlagen möchte. Mehr in Richtung Event-Kultur. “Wir möchten alle Interessierten hinter die Kulissen unseres Brauchtumsvereins schauen lassen”, sagte Tuiflvereins-Obmann Markus Spielmann. Eine umgesetzte Idee, die gut ankam. Bachnetzer kam nur selten zum Schnitzen, geduldig und gut gelaunt, beantwortete er alle Fragen.

Die Menschen standen in Zehnerreihen um das Tuifl-Oval

Wer nahe beim Sportplatz in Obermieming wohnt, wusste, was auf die vielen Fans der Mieminger Tuifl zukommt: An zwei Abenden zuvor wurde der perfekt inszentierte Ablauf geprobt. Alles sollte passen und – es passte alles. Um 16 Uhr spürten alle Verantwortlichen: Das wird ein Publikumserfolg und alle Tuifl müssten heute ihr Aller-Bestes geben. Die Menschen standen in geschätzten Zehnerreihen um das riesige Höllenspektakel-Oval. Eine gewaltige Kulisse. Die Stimmung war fröhlich und erwartungsvoll. Da schallte des Bürgermeisters Stimme aus dem Lautsprecher. Franz Dengg begrüßte als Gemeinde-Oberhaupt und bekennender Tuifl-Anhänger die vielen großen und kleinen Menschen, die sich an diesem Abend in der Mitte Miemings versammeln. Es folgten ein paar Sicherheits-Hinweise und das erlösende “Ich wünsche Euch / Ihnen viel Vergnügen zum 10. Mieminger Tuifllauf”. Kurz nach 17 Uhr ging das erste Raunen durch die Reihen wie eine Laola-Welle. Sie kommen..

Engel verteilten Packerl – Teil I der Show war schon beeindruckend

Gemeint waren die Engel und die standen plötzlich auf einer Bühne vor dem großen Höllentor und zogen in einer Menschenblase, von einer Minute auf die andere, Hunderte von Kindern mit ihren Begleitern an. Da war kein Durchkommen mehr. Die Engel verteilten ihre Packerl an die Kinder. Eine Kulisse für das Auge. Teil I der Show war schon mal beeindruckend.

Spannungsbögen waren gut gesetzt

Wer sich auch immer von den Drehbuch-Schreibern hinter den Kulissen Gedanken über den Aufbau von Spannungsbögen gemacht hatte – der versteht sein Handwerk. Nach dem gelungenen Auftritt der Engel, zogen sich die Minuten in die Länge. Alle spürten, das wird heute Abend etwas Besonderes. Kurz nach 18 Uhr ging das zweite Raunen über den Platz. Es geht los. Fehlalarm. Ein paar Sicherheitskräfte hatten vor dem Höllentor noch eine Stolperfalle entdeckt und die mußte rasch noch geschlossen werden. Ein Kind neben mir trat von einem Bein auf das andere. Das kann im Normalfall auch einen anderen Grund haben, heute war es die Spannung, die den Fußreflex auslöste.

“Schau, sind die süß…”

Es muß dann wohl so gegen 18-Uhr-15 gewesen sein, als sich der Himmel über Mieming blutrot färbte, ein Donnerhall durch den sonst so beschaulichen Ort auf dem Mieminger Plateau ging, große Nebelschwaden vom Boden aufgingen und das Höllentor ein Feuerlicht durch seine Luken ließ, dass es einem Angst und Bange werden konnte. Teil II der Show. Eine Tuiflvorhut strömte durch das Tor, scheinbar den Platz und die Menschen um ihn herum zu inspizieren. Kleine Tuifl – “schau, sind die süß…” – war im Hintergrund zu hören, größere Tuifl – “ach, du meine Güte” und noch größere Tuifl. Alle wurden frenetisch begrüßt. Irgendwann habe ich in diesen Tagen mal geschrieben, Mieming sei eine Tuifl-Hochburg. Seit Samstag-Abend wissen wir: Mieming ist eine Tuifl-Hochburg.

Vier dunkle Gestalten speien Feuer-Wolken in den Himmel

Teil III der Tuifl-Jubiläums-Show war dann der wirkliche Höhepunkt des Abends. An das Raunen vor jedem Szenen-Wechsel waren wir Ohren- und Augenzeugen ja schon gewöhnt. Nur vor dem 3. Akt der Freilichtshow schwoll das Raunen zu einer laut hörbaren Akustik-Welle an. Die Stimmung war nicht mehr zu bremsen. “Sie kommen, sie kommen…!, blies jemand in mein Ohr und dann kamen sie: Das Höllentor öffnete sich abermals sehr weit. Totenstille. Goldglänzendes Licht. Es erscheinen vier Dunkle Gestalten mit langen, noch dunkleren Gewändern und die trugen brennende Fackeln. Dann bleiben die stehen und speien synchron große Feuerwolken in den nächtlichen Himmel. “Oooh, Aaaah.” Der Effekt saß. Die längst zufriedenen Besucherinnen und Besucher, die aus nah und fern nach Mieming kamen, ließen den Dingen ihren Lauf. Schon zu diesem Zeitpunkt war der 10. Mieminger Tuifllauf ein Publikumserfolg, der alle bisherigen Rekorde sprengte.

Die Nacht der Nächte

Dann kamen die großen Tuifl mit ihrem Ober-Tuifl und allen Hauptabteilungsleiter-Tuifln auf den Versammlungsplatz, den die Tuifl-Vorhut längst zum optischen Vorhof zur Hölle gemacht hatten. Die zu Fuße der nachstilisierten Mieminger Kette liegenden Tuifl wachten auf, der Ober-Tuifl spreizte seine spindeldürren und tuiflspitzen Finger und weitete seine Arme. Jetzt konnte es der auch der Letzte fühlen. Das ist heute die Nacht aller Nächte. Die Tuifl rattern auf ihrem Höllentraktor in das seitlich geschlossene Oval, angekettet ein widerspenstiges Höllensubjekt, das zur Räson gebracht werden muss. Gefühlte Hunderte von kleinen, mittleren und großen Tuifln wuseln rutenschlagend, kettenrasselnd und fürchterlich-klingende Laute ausstoßend, scheinbar ziellos über den Platz. Der ein oder andere widmete sich den nicht immer angstfreien Gesichtern des Publikums am Rande des Tuifl-Ovals. Aber alles verlief friedlich und freundlich. Die gute Stimmung war nicht mehr aufzuhalten.

Die Tuifl in Mieming waren außer Rand und Band

Die feuerspeienden, vier dunklen Gesellen knieten nieder und entfachten vier große, mundgeblasene Feuerwolken, die sich schnell zu einer vereinigten. Das war das Feuer für den Obertuifl. Der kam mit seinem Dreizack. Das heißt, der kam nicht, der nahm den Raum ein. Als er kam. Und entzündete schließlich unter den lauten Zurufen und dem schallenden Applaus des staunenden Publikums seinen Dreizack. Danach entlud sich eine Höllenstimmung, die Tuifl in Mieming waren außer Rand und Band. Alles johlte, grölte applaudierte. So plötzlich wie sie kamen, waren sie auch schon wieder verschwunden. Die Zeit verging wie im Fluge. Das Finale der tuiflischen Jubiläums-Show und die Inszenierung dieses Aktes hat inzwischen Tradition: “Conquest of paradise” von Vangelis hallt über die Köpfe des Publikums. Gänsehaut-Stimmung. Das Höllentor öffnet sich ein letztes Mal an diesem Abend und die Tuifl-Akteure laufen – nun entlarvt – in Formation eine Ehren-Runde für ihr Publikum. Frenetischer Beifall. Der 10. Mieminger Tuifllauf geht in die Erfolgsgeschichte des Tuilfverein Miemings ein. Einige Tuifl berichten anschließend, sie hätten die Stimmung durch ihre Masken und Felle gespürt und die Zurufe wortwörtlich gehört. Andere sagen, die Stimmung habe sie angespornt zur körperlichen Höchstleistung. Wieder andere lassen sich längst mit Kindern oder Erwachsenen fotografieren. Ein Foto mit einem Original-Mieminger-Tuifl hat schon Sammlerwert und gehört in jedes Album. Wem welche fehlen, mag sich in Mieming-Online bedienen. Selbstverständlich nicht zu kommerziellen Zwecken.

Tuifl-Bar war bis zum Morgen die After-Show-Bar

Das Publikum war zum Finale des 10. Mieminger Tuifllaufes schon voll des Lobes, da setzten des Tuifls Regisseure noch eins drauf und schossen ein grellbuntes Feuerwerk in den Himmel. Immer wieder wirkungsvoll und heute in besonderer Weise. Des Obmanns Stimme klingt mit Worten des Dankes ein letztes Mal über den Platz und kaum wahrnehmbar bekomme ich noch mit, dass er sagt “…wir sehen uns wieder und darauf freuen wir uns ab jetzt schon – zum 11. Mieminger Tuifllauf im kommenden Jahr”. Vor der Show, ist nach der Show. Die Tuiflbar war bis in die Morgenstunden dann die After-Show-Bar. Zum analysieren, debattieren, Dampf ablassen und feiern. Ein aufregender Abend in Mieming.

Fotos: Knut Kuckel

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