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9. Mieminger Tuifllauf – „Perfekt inszeniert“

9. Mieminger Tuifllauf 2010, Foto: Knut Kuckel

Die Kinder fürchten sich nicht mehr vor dem Tuifl, ein Verdienst der über 140 Mitglieder des Tuiflvereins Mieming. Der 9. Mieminger Tuifllauf am Samstag, dem 27. November 2010 war perfekt organisiert und eine bühnenreife Meisterleistung. Bei Temperaturen um die Minus 5 Grad Celsius warteten schon Hunderte Kinder mit ihren Eltern am Sportplatz in Obermieming auf den Auftakt. Die Stimmung war bestens. Gegen 17.30 Uhr kamen Teufel und Engel mit ebenso großen wie vollen Geschenkkörben in das große Rund um gemeinsam die Kinder zu bescheren. Jeder bekam etwas und der Höhepunkt war ein Erinnerungsfoto mit dem jeweiligen Lieblingstuifl. Dieser Auftritt nahm den Kindern die Furcht vor dem Höllenspektakel, dass wenig später begann. Geschätzte 900 Besucherinnen und Besucher waren Augen- und Ohrenzeuge eines wahren Höllengipfels. Mitten in Mieming.

Nichts war dem Zufall überlassen

Die Sicherheit stand für die Veranstalter beim 9. Mieminger Tuifllauf stets im Vordergrund. Dafür waren im Verbund verantwortlich: ein Security-Unternehmen, das Österreichische Rote Kreuz und die Freiwillige Feuerwehr Mieming. Der „Lustige Willi“ stellte die Beschallung und sorgte vom Technik-Gerüst für die stimmungsvolle Zwischendurch-Musik. Eine ORF-Stimme moderierte die verschiedenen Szenen des Spektakels an. Die Inszenierung war bis ins Detail organisiert und geprobt. Nichts war dem Zufall überlassen.

Engel und Tuifl beschenkten die Kinder

Darauf hatten die Kinder schon lange gewartet. Das Tor öffnete sich, Tuifl und Engel betraten mit riesigen Geschenkkörben die Szenerie. Auf zur Bescherung, sagte die Stimme aus dem Off und als ginge es um Leben und Tod, stürmten Eltern und Kinder den Platz. Niemand wollte zu kurz kommen. Eine nicht ungefährliche Situation. Gottlob ist nichts passiert. Aber gerade dieser Auftritt nahm den Kindern die Angst. Engel und Tuifl in gemeinsamer Aktion, das hatte etwas. Die Aufgaben waren seriös verteilt: die Tuifl trugen die schweren Körbe und die Engel verteilten die Geschenke.

Es roch nach Hölle

Kurz nach 18 Uhr. Es roch nach Hölle. Ein sicheres Indiz dafür, dass sich dem schaurig motivierten Betrachter nur wenige Augenblicke später Abgründe auftun. Das Höllentor öffnete sich abermals und die rotgefärbten Feuerdämpfe suchten den nächtlichen Himmel über Mieming. Das Gipfeltreffen der Mieminger Tuifl nahm seinen spektakulären Lauf. Mönche versuchten die Tuifl zu vertreiben, landeten aber ergebnislos am Marterpfahl. Nach ihrer Befreiung wurde dort der Oberteufel angekettet. Zuvor las er aus dem großen Buch der Sünde. Reuige Minen reihum.

Schaurige Einfahrt des Höllenhäuptlings

Schaurig war dann die Einfahrt eines weiteren Höllenhäuptlings auf seinem Traktor, aus dessen Auspuff hohe Flammen den nächtlichen Himmel erleuchteten. Der angekettete Tuifl wurde indes befreit, begab sich an den Flammen-Kessel und entzündete seinen Dreizack. Einem diabolischen Dirigenten gleich versammelten sich seine Tuifl mit wilden Tänzen um ihn und sorgten für allerlei Verwirrung beim faszinierten Publikum. Schwefel und Feuer. Mieming war eine Nacht vor dem 1. Advent Himmel und Hölle zugleich.

Am Ende waren die Tuifl entlarvt

Zum Finale des großen Höllenspektakels am Obermieminger Sportplatz kamen nocheinmal alle Tuifl durch ihre Höllentor. Angeführt von ihrem Front-Tuifl, dem Steirer, hatten sie sich entlarvt. In diesem Moment verlor der letzte Bedenkenträger seine Furcht, denn nun konnte jeder sehen, dass sich hinter den teuflisch-wirkenden Larven bekannte Gesichter verbargen. Im Nu hatte jeder Tuifl-Darsteller seine Anhänger um sich geschart. Fotos mit und ohne Maske durften gemacht werden. Obmann Markus Spielmann war erleichtert und bedankte sich bei allen Unterstützern und Helfern. Die Mieminger Tuifl waren perfekte Gastgeber.

Wintergeister sollen gebannt werden

Der Advent ist in Tirol nicht nur die Zeit der Stille und Besinnung, er ist auch erfüllt vom Lärmen und Toben wilder Gestalten – der Tuifl und Krampusse auf dem Mieminger Plateau. Heidnischer Dämonen- und Zauberglaube verleiht ihnen Kraft. Durch das Läuten von Glocken und Schellen und das Tragen furchteinflößender Masken sollen die bösen Geister des Winters gebannt werden. Die Mieminger Tuifl haben sich – zeitgemäß – im September 2002 als Verein mit inzwischen über 140 Mitgliedern zusammengeschlossen.

Nikolaus- und Krampuswesen in Mieming

Die Mieminger Tuifl gründeten ihren Verein, um die Tradition des Tuifllaufens in Mieming fortzuführen. Sie sind die Ansprechpartner für das Nikolaus- und Krampuswesen in Mieming. Früher gab es unterschiedliche Ortsgruppen, die nicht immer an einem Strang zogen, so die Vereinsverantwortlichen. Heute sind die Tuifl eine Gemeinschaft, die bestens organisiert ist. Der Maskenschnitzer der Mieminger Tuifl ist der Holz- und Steinbildhauer Michael Bachnetzer aus Silz, die Felle liefert die Gerberei Koch in Rennweg am Katschberg.

 Fotos: Knut Kuckel

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